Fuchs-Festspiele in Stadtroda 08.04.19   OTZ-Spielbericht

Stadtroda. Simon Fuchs war nach der Partie der gefragteste Mann. Es mangelte nicht an Schulterklopfern und Glückwünschen für den Stürmer von Grün-Weiß Stadtroda . Dergleichen kam natürlich nicht von ungefähr, schließlich hatte er am Sonnabend vier Tore zum 5:1-Sieg seiner Mannschaft über Traktor Teichel in der Landesklasse beigesteuert. In der 39., der 50., der 65. und der 73. Minute traf er für die Möhre, hat damit nun zwölf Tore auf seinem persönlichen Konto. Den ersten beiden Treffern gingen Laufduelle voraus, die Simon Fuchs – naturgemäß – für sich entscheiden konnte. An Schnelligkeit mangelt es ja bekanntlich bei ihm nicht. Und natürlich kredenzte er anschließend auch die Usain-Bolt-Pose. Die anderen beiden Treffer waren indes Direktabnahmen. Zum einen war Kapitän Karl Grohs für die Vorarbeit verantwortlich, zum anderen Andreas Kittner mit einem Freistoß.

Die vier Tore in einem Ligaspiel seien für ihn eine Premiere gewesen. Nur in Testspielen sei ihm dergleichen bisher gelungen, berichtete Fuchs , der das letzte Mal am 1. Dezember 2018 beim 1:1 gegen den SV Schott Jena II traf. Doch er gab sich bescheiden, gab den Teamplayer. „Es ist nicht wichtig, dass ich immer treffe. Wichtiger ist, dass wir als Mannschaft gewinnen“, sagte der Stürmer und verwies damit auf die Partie am vergangenen Spieltag in Kahla , in der er zwar kein Tor schoss, dafür aber beide Elfmeter holte, die Karl Grohs zum 2:0-Sieg verwandelte. Nichtsdestotrotz, das Gefühl, welches er jetzt gerade in sich trage, sei einfach nur wunderbar, sagte ein verschmitzt dreinblickender Fuchs , der wahrscheinlich auch noch nach seiner Auswechslung in der 79. Minute reichlich Endorphine freisetzte. „Es ist natürlich eine Genugtuung für all die Spiele, in denen ich nicht traf“, so Fuchs .

 Apropos Endorphine, die hätte wohl auch Marian Rennert in vermehrter Form freisetzen können. Der andere Stürmer in den Reihen von Steffen Richter , der fleißig wie ein Duracell-Häschen an der vordersten Fußball-Front von A nach B hetzte, besaß auch die Möglichkeit, in die Sphären eines Simon Fuchs vorzustoßen. Drei Tore hätte er definitiv erzielen können – und er wusste darum. Am Ende durfte er aber „nur“ einmal jubeln (59.), blieb dafür nach einer Großchance, als es ihm partout nicht gelingen wollte, das vermaledeite Leder über die Linie zu drücken, vor lauter Scham auf dem Grün liegen. Wahrscheinlich hätte er sich am liebsten ein Loch gegraben und sich darin versteckt. Auf die ausgelassenen Chancen angesprochen, fror dem sympathischen Zeitgenossen das Gesicht ein. Er winkte nur ab und drehte sich entnervt weg.

Glücklicher – Endorphine und so – schaute das schon Steffen Richter aus seiner Trainer- Wäsche, der mit seinem Lachen problemlos alle Kategorien eines Schwiegermutter-Traums erfüllte. „Wir waren uns im Vorfeld darüber im Klaren, dass wir gegen Teichel siegen können, wenn wir einfach unsere Leistung abrufen – und das ist uns heute mehr als gelungen. Teichel hatte keine Chance“, resümierte Steffen Richter .

Der Trainer berichtete auch davon, dass er sich noch am Donnerstag mit eben Simon Fuchs unterhalten habe, der mit seiner Torflaute haderte und Rat – insbesondere für das Agieren in Eins-gegen-eins-Situationen – suchte. Es hat, zumindest im Nachgang, den Anschein, dass es ein sehr konstruktives Gespräch zwischen Trainer und Spieler gewesen sein muss. „Ich freue mich einfach darüber, dass bei ihm der Knoten geplatzt ist.“

Doch bei aller Lobhudelei, bis zum ersten Treffer von eben Fuchs in der 39. Minute war das Spiel alles andere als ein Leckerbissen. Viel passierte bis dato nicht auf dem Grün im Rodastadion. In diesem Sinn war die Begegnung eine einzige Hommage an die guten alten Kreuzberger Nächte, die da einst die Gebrüder Blattschuss besangen. Die fingen bekanntlich ja auch eher langsam an, aber dann ...

Traktor Teichel , immerhin Tabellendritter mit Aufstiegsambitionen, hatte in der Partie zwei Chancen im zweiten Akt, die jedoch Torhüter Yannik Kössler vereitelte. Dafür stand er beim Freistoß von Stefan Staskewitsch eine Idee zu weit vor dem Tor, sodass der Ball einfach hinter ihm zum temporären Spielstand von 2:1 (55.) einschlug. Ansonsten hatte man eher den Eindruck, dass der Traktor heute einfach nicht anspringen wollte. Der eine oder andere Schuss gesellte sich noch dazu, der aber unter die Kategorie „nicht wirklich zwingend“ fiel. Nein, die Partie gehörte allein Grün-Weiß Stadtroda , die nach dem Spieltag weiterhin Tabellenplatz vier innehaben.

Ach ja, bei seiner ganz persönlichen Tor-Hitparade wählte Simon Fuchs Tor Nummer eins auf die höchste Chartplatzierung. Bei diesem legte er mit dem Leder am Fuß gut und gerne 70 Meter zurück, spielte dabei noch zwei Traktoristen schwindelig. Ein paar Grün-Weiß-Haudegen am Spielfeldrand kamen indes nach seinem vierten Treffer zu der Erkenntnis, dass der Fuchs noch mehr könne, als nur zu rappen. Richtig, er kann auch vier Tore in einem Ligaspiel erzielen.

Marcus Schulze 08.04. OTZ