„Ich habe stets ein Lächeln auf den Lippen“ 14.03.19   Peter Dauel im OTZ-Gespräch

(OTZ) Interview der Woche Seit dieser Saison lenkt Peter Dauel mit Steffen Richter die Geschicke von Grün-Weiß Stadtroda an der Außenlinie
Stadtroda. Peter Dauel ist bei Grün-Weiß Stadtroda längst angekommen. Im Interview sinniert der Co-Trainer über die Hinrunde, neue Spieler, die vermaledeite Partie gegen Jena-Zwätzen in der Hinrunde und warum es auf lange Sicht gesünder ist, etwas ruhiger an der Außenlinie zu agieren. Am Sonnabend spielt sein Team zum Rückrundenauftakt ab 14 Uhr im Roda-Stadion gegen Blankenhain .

Herr Dauel, wer springt während einer Begegnung öfters von der Bank auf: Steffen Richter oder Sie?
Ich würde mal sagen, dass ich das bin. Mir wird ja generell nachgesagt, dass ich der emotionalere Part des Trainergespanns sei, was ja auch irgendwo stimmt. Doch zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich schon ruhiger geworden bin.

Ruhiger geworden also. Lebt es sich damit besser?
Auf jeden Fall, ansonsten bekommt man ja einen Herzinfarkt. Aber es ist nun einmal meine Art, Dinge laut und deutlich zu artikulieren. Ich mag kurze, knackige Ansagen.

Halten wir also fest: so ein Hauch von Ying und Yang auf der Trainerbank von Grün-Weiß.
So kann man das umschreiben. Ich bin halt der impulsivere Typ, Richtus (Steffen Richter , Anmerkung der Redaktion) der eher ruhigere. Doch das war ja auch im Vorfeld das Anliegen. Wir ergänzen uns sehr gut. Ich denke, dass das auch bei der Mannschaft gut ankommt. Sie wissen, dass wir zwei gänzlich verschiedene Typen sind. Da hat man einfach Optionen bei Fragen der Kommunikation. Der eine Trainer kann dann halt in gewissen Situationen etwas besser mit dem einen oder anderen Spieler umgehen, hat den besseren Draht oder Konnotation für sein Gegenüber.

Sind Sie also bei Grün-Weiß Stadtroda angekommen?
Auf jeden Fall. Ich wurde von allen Seiten super aufgenommen, fühle mich schlichtweg pudelwohl. Es macht eigentlich immer Spaß, gerade beim Training. Ich habe stets ein Lächeln auf den Lippen, wenn ich dann wieder gen Jena aufbreche.

Sie lächeln?
Ja, weil wir auf einem sehr hohen Niveau trainieren – und das stimmt mich positiv für die Rückrunde.

Und die Hinrunde? Bewerten Sie die auch so positiv?
Fakt ist, dass wir nicht dort stehen, wo wir gerne stehen würden.

Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe dafür, dass Stadtroda hinter seinen Erwartungen geblieben ist?
In der Landesklasse kann man nicht ad hoc Spieler wie Robin Menzel oder Christian Reimann ersetzen. Das ist fast unmöglich. Dazu kam noch die Verletzung von Sebastian Glaser , der ja auch ein sehr erfahrener Spieler ist und bis jetzt nur ein Spiel absolvieren konnte und auch für die Rückrunde erst einmal ausfallen wird, da er operiert werden muss. Mit ihm fällt auch ein Spieler bei uns weg, der für Stabilität gesorgt hat. Nichtsdestotrotz gab es auch genug Spiele, in denen wir das dargeboten haben, was wir uns auch im Vorfeld vorgenommen haben, allein das Ergebnis hat am Ende nicht gestimmt. Wir haben es oftmals nicht geschafft, unsere Leistung über 90 Minuten abzurufen – und das hat sich dann halt hin und wieder gerecht.

Stadtroda ist das jüngste Team der Liga. Ist die mitunter mangelnde Erfahrung in ihre Reihen ein Grund für die eine oder andere Niederlage?
Sicherlich. Die Liste der jungen Spieler ist bei uns sehr lang. Selbst der eine oder andere Routinier wie etwa Simon Fuchs oder Pasacl Wollnitzke ist noch recht jung. Und dann eben die jungen wie Nico Pawlak , Robin Gerdemann , Nico Schwarz , Marian Rennert , Bjön Schröder oder Lukas Best . Gleichzeitig muss ich aber auch sagen, dass sich das zwar immer schön anhört, wenn wir darauf angesprochen werden, dass wir ja das jüngste Team sind, doch irgendwann ist das Thema auch mal durch. In der Hinrunde war das stets ein Argument, oder gar Ausrede, nach einer Niederlage. Doch für die Rückrunde kann unsere Altersstruktur nun nicht mehr permanent als Entschuldigung für unsere spielerischen Defizite herhalten, zumal wir uns jetzt noch einmal verstärkt haben.

Wer ist denn zu Ihnen gestoßen?
Philipp Meudtner kommt von Zwätzen . Ich kenne ihn schon sehr lange und er wird uns künftig in der Defensive unterstützen. Er verfügt über sehr viel Erfahrung und kann auch Verantwortung übernehmen. Dazu gesellt sich Patrick Blaszik, der auch schon einmal für Stadtroda gespielt hat. Der dritte im Bunde ist Lukas Schott , der seine Ausbildung in Sachen Fußball bei Aue und Zwickau genossen hat. Er ist verdammt schnell auf der Außenbahn unterwegs, dazu quirlig, giftig und auch beidfüßig.

Wie sind Sie denn an ihn gekommen?
Wir hatten Glück, er studiert mit Robin Gerdemann in Jena .

Was war denn Ihren Erachtens das beste Spiel von Grün-Weiß Stadtroda in der Hinrunde?
Vom Ergebnis her natürlich das Spiel gegen Gera Westvororte. 5:2 über den Spitzenreiter triumphiert, wenig zugelassen und zudem gezeigt, wozu wir in der Lage sind, wenn wir alles abrufen. Das Spiel in puncto Fußball war wohl die Partie gegen Bad Lobenstein , da haben wir zwar 1:2 verloren, doch wir haben unsere Idee des eigentlichen Spiels über weite Strecken dargeboten.
Und dennoch hat Ihr Team verloren.
Ja, weil wir unsere Chancen, sogar die größten, nicht genutzt haben. In gewisser Weise ist das ein Sinnbild für die gesamte bisherige Saison.

Spielen Sie auf den Auswärtstermin in Zwätzen an?
Ja, auch das war so ein Spiel.

Und für Sie sicherlich ein ganz besonderes. Immerhin waren sie dort jahrelang als Spieler und auch Trainer aktiv.
Das war schon hart für mich, dort zu verlieren. Generell ist verlieren so überhaupt nicht mein Ding, damit kann ich nur ganz schwer umgehen. Um die 1:2-Niederlage gegen Zwätzen zu verdauen, habe ich zwei, drei Tage gebraucht. Ich konnte es einfach nicht nachvollziehen. Da waren diese seltsamen Entscheidungen der Unparteiischen, die uns Tore aberkannt haben und dann gewinnt Zwätzen auch noch durch ein Eigentor. Das war schlichtweg bitter, zumal die Mannschaft auch noch recht lange an der Niederlage zu knabbern hatte.

Nach dem 1:0 für Stadtroda in Zwätzen kam das gesamte Team zu Ihnen gerannt. Ein geschlossener Akt der Wertschätzung?
Durchaus, sie wollten auch für mich gewinnen. Das hat mich damals schon ein wenig gerührt.

War das Spiel der Tiefpunkt der Hinrunde? Beim Interview nach dem Spiel nahmen sie die Zigarette dankend an.
In emotionaler Hinsicht schon, da fielen Pech und auch ein wenig Ungerechtigkeit seitens der Schiedsrichter gnadenlos zusammen – und das halt auch noch an meiner alten Wirkungsstätte. Der eigentliche Tiefpunkt in Sachen Fußball war jedoch die Partie gegen Neustadt . Das haben wir zu Recht verloren, weil es da in unserem Spiel grundlegende Defizite gab, und wir auch einen Elfmeter verschossen hatten. Doch das muss man einer jungen Mannschaft dann auch einmal verzeihen können.

Jena-Zwätzen verweilt derzeit auf Platz 5 der Tabelle. Grün-Weiß Stadtroda indes auf Platz 7. Wurmt Sie das?
Es stehen ja noch andere Vereine vor uns, die – mit Verlaub – nicht alle über unser Niveau verfügen wie wir. Außerdem darf man bei Zwätzen nicht vergessen, dass sie zu Hause eine Macht sind und mit Spielern wie Felix Hentrich , Marc Burghardt und jetzt zum Glück auch wieder Kevin Nenz über reichlich Qualität verfügen. Und was uns betrifft, muss man sagen, dass wir mit Karl Grohs , Florian Klinger oder Simon Fuchs Ausnahmespieler für die Landesklasse haben. Aber ja, es ist schon bitter, fast schon eine permanente Mahnung, denn letztlich lügt die Tabelle nicht. Doch zum Glück geht es ja noch recht eng zu. Ich glaube noch daran, dass wir Platz 3 bei der Endabrechnung holen können.

Es wird ja in der Rückrunde dann auch noch ein Wiedersehen mit Zwätzen geben. Dann hoffentlich ohne Zigarette bei der Auswertung nach der Partie.
Das hoffe ich. Vergessen werde ich das Hinspiel sowieso nicht so schnell, von daher muss im Rückspiel gegen Zwätzen einiges geschehen.